Ausbildungsdefizite in Corona-Zeiten. Kooperation mit GFFB!

Heute im Gespräch mit unserem Partner, der GFFB in Frankfurt am Main. Als gemeinnützige GmbH arbeitet diese seit 1994 erfolgreich für die Existenzsicherung langzeiterwerbsloser Menschen. Ein Ziel der gemeinnützigen Organisation ist die Verwirklichung von Chancengleichheit am Arbeitsmarkt für benachteiligte Personengruppen. Seit 2019 kooperieren unsere Häuser im Bereich Ausbildung im Hotel und Gaststättengewerbe. Eigentlich. Coronabedingt liegen verschiedene Projekte auf Eis. Mit Barbara Wagner, geschäftsführende Gesellschafterin, und Frau Petra Thomsen als Arbeitsvermittlerin, sprechen wir über Ziele, Perspektiven und die besonderen Herausforderungen in Zeiten der Pandemie.

„Gemeinsam für eine soziale Region. Kein Anschluss ohne Abschluss, Fördern und Fordern“, so die GFFB.

Als gemeinnützige Bildungsorganisation bieten Sie u.a. eine Umschulung in Teilzeit zum/zur Hotelfachmann/-frau an. Mit diesem tollen Angebot sind wir vor Jahren zusammengewachsen. An wen richtet sich das Angebot?

Frau Wagner: Die meisten Teilnehmer*innen in den Umschulungen sind zwischen 25 und 45 Jahre alt und haben einen Zuwanderungshintergrund. Die Umschulung kann sowohl über einen Bildungsgutschein finanziert werden als auch von Selbstzahler*innen besucht werden.Die Besonderheit unseres Angebots liegt in der berufsqualifizierenden Sprachförderung. Das heißt, die Umschulung verbindet das Sprache lernen mit dem Erlernen des Berufs. Es gibt jeden Tag fachbegleitenden Deutschunterricht und auch der Fachunterricht selbst wird von einer Sprachförderkraft begleitet – wir nennen das Teamteaching. Zur Teilnahme an einer Umschulung mit berufsqualifizierender Sprachförderung ist ein B1-Sprachniveau zu Beginn der Umschulung erforderlich.

Die aktuell laufende Umschulung ist ein Modellprojekt, das noch bis Januar 2022 läuft. Schon jetzt zeigt sich, wie effektiv die Verknüpfung von Fachlernen und Sprachlernen ist. Diese Art des Lernens motiviert die Teilnehmer*innen durch einen ressourcen- und lebensweltorientierten Ansatz. Wir bereiten sie ganzheitlich auf den Einstieg in den Arbeitsmarkt vor. Die GFFB verfügt über langjährige und sehr positive Erfahrung mit dem integrierten Sprachlernen in unterschiedlichen Branchen.

„Unser Ansatz hat regionale und überregionale Beachtung und Anerkennung gefunden. Die Stadt Frankfurt hat uns im Jahr 2017 dafür auch mit dem Integrationspreis ausgezeichnet“, so Frau Wagner, GFFB

Frau Thomsen, Sie sind die verantwortliche Jobvermittlerin für diesen Ausbildungsbereich bei der GFFB. Wie viele Ausbildungsbetriebe aus dem Gastgewerbe haben Sie im Frankfurter Raum für Ihre Organisation als Partner gewinnen können?

Frau Thomsen: Leider noch zu wenige, aber ein guter Kontakt ist beispielsweise Michael von Goethem von der Initiative Gastronomie e.V., in der viele namhafte Gastronomiebetriebe Frankfurts organisiert sind. Geplant war im letzten Jahr eine Einladung zu einem Netzwerktreffen, was dann natürlich Corona bedingt ausgefallen ist. Als Jobvermittlerin mit der Zielgruppe langzeitarbeitslose Teilnehmende bei der GFFB geht es bei meiner Tätigkeit allerdings auch nicht nur um Ausbildung, sondern vor allem umden direkten Jobeinstieg. Klar ist, dass der Bereich Gastronomie vor und nach Corona für uns und unsere Teilnehmenden überaus wichtig ist bzw. bleiben wird – sowohl für Menschen, die in diesem Bereich eine Ausbildung anstreben, als auch solche, die auf der Suche nach einem Helferjob sind. Hilfreich ist in der Kooperation mit dem Spenerhaus, vor allem die Möglichkeit, Menschen mit Berufswunsch Gastronomie zur Entscheidungsfindung in einem Praktikum zu erproben.

Barbara Wagner, geschäftsführende Gesellschafterin wirbt bei den branchenspezifischen BarCamps um Unterstützung und neue Kooperationspartner

Wann und wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Spenerhaus?

Frau Thomsen: Angefangen hat es damit, dass ich ehrenamtlich im Mentor*innen-Programm Socius beim Evangelischen Regionalverband tätig war. Wir hatten auch häufiger Meetings im Dominikanerkloster und haben auch immer das leckere Essen geschätzt. Im Herbst 2019 bekam ich eine hausinterne Anfrage aus unserer Abteilung Umschulung zur*zum Bürokaufrau*mann, einen Praktikumsplatz für eine Teilnehmerin im Unternehmensbereich Personalverwaltung zu suchen. Und da kam ich auf die Idee beim Personalleiter Daniel Weberling des ERV vorzusprechen. Das Praktikum kam zustande und dabei habe ich ihn gefragt, ob es eventuell auch Praktikumsmöglichkeiten im Bereich Hauswirtschaft bzw. Gastronomie gäbe. Daraufhin hat er mir die Kontaktaufnahme mit Frau Eckelmann empfohlen, die dann im Dezember 2019 erfolgte.

Trotz Corona wollen Petra Thomsen (links) und Tanja Eckelmann im engen Kontakt bleiben und die Kooperation der beiden Häuser für die Zukunft benachteiligter Menschen vorantreiben. GFFB – ein soziales Unternehmen von Menschen für Menschen

Der Evangelische Regionalverband Frankfurt und Offenbach als Träger unseres Hotel und Tagungszentrums vermittelte den Kontakt zur GFFB. Das Spenerhaus als Praktikumsgeber…!

Ja, Corona hat uns alle ausgebremst. Wie ist der Stand heute?

Frau Thomsen: Wir haben eine kleine Gruppe, die das Ausbildungsziel zum*zur Hotelfachmann*frau anstreben und erst im nächsten Jahr ihre Prüfung absolvieren. Es waren daher auch nur drei Personen, die ein Praktikum aufgenommen haben.  Diese Menschen waren allerdings nicht im Spenerhaus. Corona bedingt konnte aber nur eine Teilnehmerin ihr Praktikum im November/Dezember 2020 vollständig abschließen. Das erste Praktikum musste leider im Frühjahr mit dem ersten Lockdown abgebrochen werden. Für März 2020 hatten wir auch eine Betriebsbesichtigung geplant, die wir hoffentlich im Sommer/Herbst 2021 nachholen können.

Und das Praktikum im Bereich Hauswirtschaft das jetzt hätte starten sollen, muss ebenfalls verschoben werden.

Ungewisse Zeiten für Langzeitarbeitslose und benachteiligte Personengruppe in der Pandemie. Tanja Eckelmann, Leiterin Spenerhaus, und Petra Thomsen, Arbeitsvermittlerin GFFB müssen coronabedingt neu planen.

Frau Thomsen:  Ja, das Praktikumsverhältnis war für sechs Wochen angedacht. Mal abgesehen von der Verschärfung der Corona-Regeln ist unsere Teilnehmerin alleinerziehende Mutter und kann derzeit ihre Kinder nicht in die Betreuung geben. Wir hoffen, dass sie das Praktikum im späteren Verlauf des Jahres nachholen kann. Die individuelle und persönliche Betreuung bei Ihnen ist besonders. Sie nehmen sich die zeit, Dinge zu erklären und zu zeigen. . Diese Praxiserfahrung ist eine wichtige Voraussetzung für den Übergang in den ersten Arbeitsmarkt. Die Teilnehmerin, die ihr sechswöchiges Praktikum bereits im Spenerhaus absolvieren konnte, war sehr zufrieden.

Ausbildungsbetriebe im Gastgewerbe kommen aktuell mit der Pandemie zum vollständigen Erliegen. Eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht. Was bedeutet dies für die von Ihnen vermittelten Personen, die sich aktuell in der Umschulung, in der Ausbildung befinden?

Antwort Frau Wagner: Kurz und knapp vor allem keine Praktikumsplätze. Die meisten Teilnehmer*innen haben im März das erste Praktikum angefangen und zwei Wochen später beenden müssen. In der Folge haben wir unser Angebot kurzfristig ins Virtuelle verlagert, um die Unterrichtseinheiten für die Teilnehmer*innen fortsetzen zu können. Die zweiten Praktika im September und Oktober endeten ebenfalls vorzeitig, so dass bislang etwas weniger Praxiserfahrung als geplant gemacht werden konnte. Wir hoffen, dass die Teilnehmer*innen die insgesamt drei vorgesehenen Praktika im Laufe dieses Jahres teilweise nachholen können, um die Arbeitswelt und vor allem die Vielfalt dieser Branche besser kennenzulernen. Die Abschlussprüfungen im November schriftlich und im Januar praktisch sind der Abschluss der Umschulung. Danach sind die Teilnehmer*innen für den Arbeitsmarkt qualifiziert und wir hoffen, dass wir sie dann,trotz der sehr prekären Lage in der Branche, in Arbeit vermitteln können. Der Vorteil dieser Ausbildung ist, dass ein Einsatz auch in alternativen Branchen möglich ist und so entwickeln wir gemeinsam mit den Teilnehmenden mögliche Anschlussperspektiven.

„Mit der Pandemie fehlt es vor allem an Praktikumsplätzen im Gastgewerbe so auch im Spenerhaus.“

Das Gastgewerbe allgemein ist in Folge von vorübergehenden Schließungen, Kurzarbeit oder auch Insolvenzanmeldungen mit einem starken Verlust an Ausbildungsverhältnissen betroffen. Ist Ihr Klientel in dieser Situation doppelt und dreifach bestraft?

Frau Thomsen:  Ja, weil sich unsere Menschen bedingt durch ihre Ausgangssituation, die aus den unterschiedlichsten Gründen heraus schon generell schwerer ist als bei vielen anderen Menschen, gefühlt wieder ganz hinten anstellen und sich neue Perspektiven erarbeiten müssen.

Frau Wagner, gemeinsam mit Ihrer Kollegin Monika Brechtel sind Sie geschäftsführende Gesellschafterin der GFFB. Sie beschäftigen knapp 80 engagierte Mitarbeitende, über 300 Teilnehmenden nutzen täglich Ihre Angebote. Wie sehr macht Ihnen die Pandemie zu schaffen. Halten Sie Beschäftigung und Angebote stabil? Wie sind die Perspektiven?

Frau Wagner: Alle unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben seit Beginn der Pandemie Großartiges geleistet. Innerhalb kürzester Zeit erfolgte die Umstellung auf andere Lernformen und die professionelle Erstellung von digitalen Lehrmaterialien im Hybridlernen. Wir wissen in der Zwischenzeit alle mit Videochats zu kommunizieren und mit Lernplattformen und digitalen Tools und Methoden zu arbeiten. Wir sind der Überzeugung, dass die Pandemie zu einer langfristigen Veränderung von Bildungs- und Coachingangeboten führen wird. Hybride Angebote sind die Zukunft, dennoch bleibt auch das Präsenzangebot weiter unverzichtbar.

Wie kann das Spenerhaus Ihre Arbeit unterstützen?

Frau Wagner:  Wir freuen uns, wenn Sie uns die Gelegenheit geben, in Ihrem Netzwerk mit unseren Angeboten sichtbar zu werden. Wir sind dankbar für Kooperationspartner*innen wie Sie, die uns neue Chancen eröffnen. Erzählen Sie von Ihren Erfahrungen mit uns, empfehlen Sie uns weiter, öffnen Sie uns weitere neue Türen – das hilft.

Die GFFB finden Sie in der Mainzer Landstraße in Frankfurt. Hier wird auch das soziale Kaufhaus „World Shop“ betrieben, welches nach dem Lockdown wieder öffnet.

https://www.gffb.de