Natalia Kitenko, (rechts) stellvertretende Leiterin des Spenerhauses und Frau Sarul-Yilmaz verabschieden Yusef Soltani und wünschen ihm alles Gute für die Zukunft!

Herzlichen Glückwunsch und auf Wiedersehen, Yusef!

Erfolgreiche Integration: Das Spenerhaus verabschiedet Yusef Soltani, frischgebackener Hotelfachmann. Schweren Herzens. „Nicht als Flüchtling war er 3 Jahre in Ausbildung bei uns, sondern als  einer von uns.  Yusef  wird uns wirklich fehlen!“,  so Natalia Kitenko, stellvertretende Leiterin des Spenerhauses.  Drei Jahre von August 2017 bis Juli 2020 war Yusef Soltani  im Rahmen seiner Ausbildung  Teil der Spenerhaus-Familie und wurde maßgeblich  von Frau Kitenko als Ausbilderin intensiv betreut.  Jetzt heißt es endgültig Abschied nehmen.

Die ganze Geschichte von Yusef Soltani – eine beispielhafte Karriere im Hotel- und Gaststättengewerbe – bei uns im Spenerhaus.

Die ganze Geschichte von Yusef Soltani – eine beispielhafte Karriere im Hotel- und Gaststättengewerbe – bei uns im Spenerhaus.

Herr Soltani, zunächst ganz herzlichen Glückwunsch zur erfolgreichen  Ausbildung zum Hotelfachmann. Ganz starke Leistung. Wie fühlt sich das jetzt für Sie an?

Yusef Soltani: Danke, einfach großartig. Ich bin erleichtert und stolz zugleich.

Der Weg dorthin war sicher nicht einfach, oder? 

Yusef Soltani: Nein, insgesamt  war die Ausbildung eine sehr große Herausforderung für mich, aber auch für meine AusbilderInnen.  Insgesamt bin ich ja 3 Jahre hier im Spenerhaus gewesen, von August 2017 bis Juli 2020. In den ersten 2 Jahren absolvierte ich die Ausbildung zur Fachkraft  im Gastgewerbe mit dem Schwerpunkt „Service“.

Wie ist hier Ihre Erfahrung gewesen?

Yusef Soltani: Diese  Fachgehilfenausbildung fand in so genannten „DAZ-Klassen“ statt.   Also, Deutsch als Zweit-  bzw. als Fremdsprache  –  eine Ausbildung mit Fördercharakter speziell für Flüchtlinge, Asylbewerber, Emigranten aus allen Herren Ländern, die der deutschen Sprache noch nicht so mächtig sind.  Insofern hatte ich hier keine größeren Schwierigkeiten den theoretischen Teil zu absolvieren.  Der praktische Teil im Spenerhaus hat mir von Anfang an sehr viel Spaß gemacht und ich wurde gut betreut und gefördert.

Sie haben die Prüfung zur Fachkraft nach 2 Jahren mit der Gesamtnote 2 bestanden. Respekt!

Yusef Soltani: Ja. Zum Glück. Diese Note hat mich berechtigt  die Ausbildung zum Hotelfachmann mit einer verkürzten Ausbildungszeit zu absolvieren.  Also innerhalb eines Jahres.

Gesamtnote „ Gut“! Tanja Eckelmann, Leiterin Spenerhaus freut sich mit Yusef Soltani über die bestandene Fachkraftausbildung im Sommer 2019 – damit steht der verkürzten Ausbildung (1 Jahr) zum Hotelfachmann nichts mehr im Wege!

Die Ausbildung zum Hotelfachmann erfolgte also in einer „regulären Klasse“, ohne Fördercharakter?

Yusef Soltani: Ja, ich kam im 3. Lehrjahr in eine Hotelfachklasse, die  bereits 2 Jahre zusammen gelernt hatte.  Ich musste privat den ganzen Stoff nachholen. Meine  Lehrer waren „vorsichtig optimistisch“, dass die verkürzte Ausbildung zum Hotelfachmann gelingen könnte. Die Herausforderung lag vor allem in der Beherrschung der deutschen Sprache. Besonders das Schreiben und das Verstehen komplexerer schriftlicher Aufgabenstellungen bzw. Fachabhandlungen machten mir sehr zu schaffen. Aber mein Deutsch, auch durch die Arbeit im Spenerhaus,  wurde täglich besser.

„Der Anfang der Hotelfachausbildung war super schwer, so die Hotelleitung.  Es hagelte erstmals auch schlechte Noten in den Klassenarbeiten. Ihr Klassenlehrer in der Berufsschule soll noch im Herbst 2019 gesagt haben „Die Abschlussprüfung wird er nicht schaffen.“  Wussten Sie davon? Wie hat es dann am Ende doch so gut geklappt?

Yusef Soltani: Ich wollte es unbedingt schaffen. Ich habe sehr hart dafür gearbeitet.  Auch mit privater Nachhilfe.  Außerdem wurde ich bis zum letzten Tag von Frau Eckelmann und Frau Kitenko und dem gesamten Team unterstützt. Alle haben mit mir gelernt und mich gut vorbereitet.  Alle haben an mich geglaubt. Ich wollte nicht enttäuschen.

Wir haben immer an Yusef geglaubt. Und er hat es zum Hotelfachmann geschafft! Wir alle freuen uns so sehr und sind so stolz auf ihn, so Natalia Kitenko.

Herr Soltani, Sie sind heute 25 Jahre alt und haben bereits eine aufregende Biographie vorzuweisen. Mit  afghanischer Staatsangehörigkeit sind Sie im Iran bei Ihren Eltern und weiteren Geschwistern aufgewachsen.  2013  traten Sie gemeinsam mit einem Freund die Flucht nach Europa an, was hat Sie dazu getrieben? Wie hat sich Ihre Flucht entwickelt.

Yusef Soltani: Als Afghane in einem schwierigen Teheran hast Du keine Perspektive.  Keine Arbeit, keine Ausbildungsmöglichkeiten. Keine Existenzberechtigung. Ich wollte unbedingt etwas aus meinem Leben machen.  Über die Türkei, Griechenland, Frankreich und  Italien sind wir letztendlich in 2014 für einen Monat in Deutschland  – im Asylheim in Gießen – gelandet. Später folgten 2 Jahre Asylheim in Frankfurt.

Hier in Frankfurt wurde ich von 2 Pfarrern aus dem evangelischen Stadtdekan begleitet und gefördert. Es folgten erste Deutschkurse, dann der Hauptschulabschluss, der Realschulabschluss.  Und ein 1-jähriges Praktikum, welches ich hier im Spenerhaus  parallel zur Schule machen durfte. 1 x die Woche habe ich erste Einblicke in das Hotel- und Gaststättengewerbe  gewinnen können.

Ehrgeiz und Zielstrebigkeit zeichnen Soltani aus. Zunächst ohne Deutschkenntnisse absolviert er als Asylbewerber in Frankfurt in wenigen Jahren den Haupt- und Realschulabschluss, die Fachkraftausbildung und jetzt die erfolgreiche Prüfung zum Hotelfachmann. Eine beispielhafte Karriere.

Sie haben sicherlich einen Asylantrag gestellt?

Yusef Soltani: Ja, den ersten Antrag habe ich vor 3 Jahren mit Beginn meiner Ausbildung gestellt. Dieser wurde abgelehnt. Ein Anwalt aus einem privaten Fördernetzwerk hat Berufung eingelegt. Mit der nun abgeschlossenen Berufsausbildung warte ich aktuell auf die 2. Anhörung.

Das ganze Team vom Spenerhaus ist so stolz auf Sie und drückt Ihnen dafür ganz fest die Daumen. Leider kann das Spenerhaus Sie nicht weiter beschäftigen. Wie sehen Sie jetzt Ihre berufliche  Zukunft?       

Yusef Soltani: Dankeschön. Ja, leider ist die Zeit im Spenerhaus nun endgültig vorbei. Ich möchte mich hier in Frankfurt für den Bankettbereich, Service und/oder Reservierung  in einem Hotel bewerben. Mit dem Corona-Virus sind leider die Bedingungen für offene Stellen im Hotel- und Gaststättengewerbe aktuell sehr schlecht. Nicht nur in Frankfurt – überall auf der Welt.

3 Jahre war Yusef Soltani Teil der Spenerhaus-Familie. Seine Zukunft ist noch ungewiss!

Herr Soltani, wir bedanken uns so sehr für die gemeinsame Zeit im Spenerhaus. Wir haben viel gelernt: Menschen sind zwar grundverschieden, aber doch irgendwo gleich. Sie sind nämlich in erster Linie MENSCHEN. Und als einen Solchen haben wir Sie wahrgenommen und erleben dürfen. Bleiben Sie wie Sie sind. Wir wünschen Ihnen für die Zukunft privat und beruflich alles, alles Gute!

Für Yusef Soltani, jetzt gelernter Hotelfachmann, geht die aufregende Reise weiter. Er hofft auf einen neuen Arbeitsplatz in Frankfurt im Hotel- und Gaststättengewerbe.