indeon.de : Jung, meinungsstark und evangelisch

Heute im Gespräch mit Andreas Fauth, Chefredakteur der Multimedia Redaktion im Medienhaus der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und zugleich Leiter der evangelischen Hörfunkschule Frankfurt. Häufiger Gast im Spenerhaus.

Herr Fauth, zunächst herzlichen Dank für Ihre Zeit. Als Chefredakteur der Multimedia Redaktion verantworten Sie genau was? Welches sind Ihre Hauptaufgaben?

Andreas Fauth: Ich sehe mich als Vernetzer und Ermöglicher: Wir arbeiten in unserer Redaktion crossmedial, das heißt wir machen Sendungen und Beiträge für das private Radio, wie zum Beispiel Hit Radio FFH, wir produzieren TV-Beiträge und Videos für den YouTube-Kanal ev.TV und sind für die beiden Websites indeon.de und EKHN.de sowie deren Social-Media-Kanäle zuständig. Dabei gilt es, diese verschiedenen Produkte zu vernetzen und Themen möglichst crossmedial auszuspielen. Als Chefredakteur suche ich deshalb auch die Vernetzung der Redaktion mit anderen Häusern – zugleich kümmere mich um die strategische Planung und neue Formate, um die Arbeit in der Redaktion ständig weiterzuentwickeln.

Andreas Fauth Chefredakteur Multimedia im Medienhaus der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) zu Gast im Spenerhaus.

Vor wenigen Wochen überraschte das Medienhaus der EKHN mit einem neuen Format. Das neue Online-Portal namens indeon.de ging als Nachfolger der Website der Evangelischen Sonntags Zeitung an den Start. Was verbirgt sich dahinter?

Ein Blick auf Gott und die Welt mit indeon.de als Nachfolgeportal der Evangelischen Sonntags-Zeitung

Andreas Fauth: Jung, meinungsstark und evangelisch – so lässt sich indeon zusammenfassen. Wir wollen mit unserem Team die Vielfalt des Lebens zeigen und den Blick auf die Menschen richten: Wo sind Menschen engagiert und setzen sich für andere ein? Wo gibt es Konflikte, über die wir reden müssen? indeonist Teil der Evangelischen Publizistik und richtet sich verstärkt an junge Erwachsene, die von der Kirche oft nur schwer erreicht werden. Deshalb lädt indeon ausdrücklich zur gesellschaftlichen und kirchlichen Debatte ein und ist zugleich ein loyaler Begleiter der Evangelischen Kirche.

Wofür steht der Name „indeon“? Ein Kunstwort oder steckt mehr dahinter was die meisten von uns nicht wissen, nicht wissen können?

Andreas Fauth: Ja, indeon ist ein Kunstwort, das mag auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig erscheinen. Wir haben das Kunstwort gewählt, um für junge Erwachsene interessant und ansprechend zu klingen. Die Suche nach einem geeigneten Namen hat uns und mehrere Agenturen über ein Jahr beschäftigt. In Umfragen haben wir schließlich festgestellt, dass indeon am besten angekommen ist. Der Kirche verbundene Menschen können in indeon aber auch Deo für Gott herauslesen – das „in“ drückt dann die besondere Verbundenheit im Glauben aus. Ich vermute aber, das sind Gedankenspiele für echte Fans…

Was ändert sich mit dem neuen Auftritt. Verstehen Sie „indeon“ als Relaunch der Evangelischen Sonntags-Zeitung oder platzieren Sie einganz neues journalistisches Produkt im Markt?

Andreas Fauth: Von einem Relaunch können wir hier gewiss nicht sprechen, dennoch ist indeon die logische und konsequente Weiterentwicklung der Evangelischen Sonntags-Zeitung im Netz. Die Zeitung hat schon immer zur Debatte über Kirche und Gesellschaft eingeladen, das machen wir verjüngt nun auch auf indeon. In Zeiten von Sparmaßnahmen können wir es uns nicht leisten, einfach so neue Produkte auf den Markt zu werfen – also müssen wir die publizistische Arbeit mit den vorhandenen Ressourcen weiterentwickeln und ein verjüngter Auftritt im Netz war lange überfällig. Deshalb haben wir die Website der Evangelischen-Sonntags-Zeitung durch indeon ersetzt.

Die Printausgabe der Evangelischen Sonntags-Zeitung wird es also auch zukünftig noch geben? Oder schleicht sich das Blatt mit „indeon“ als digitales Medium langsam aus?

Andreas Fauth: Auch in Zukunft wird es eine Evangelische Sonntags-Zeitung geben, wir arbeiten gerade an einem neuen Format, Anfang nächsten Jahres bekommt die Zeitung einen neuen Look. Sie wird dann gemeinsam mit anderen Kirchenzeitungen erscheinen. Durch eine vernetzte Zusammenarbeit mit weiteren Redaktionen und Medienhäusern wollen wir die Qualität der Zeitung für die Zukunft sichern.

Wie können wir uns die redaktionelle Arbeit von Evangelische Sonntags-Zeitung „indeon“ in der Praxis vorstellen. Eine Redaktion die mit unterschiedlichen Schwerpunkten zwei Medien gleichzeitig bedient, oder gibt es eine eigenständige, unabhängige Redaktion für INDEON?

Andreas Fauth: Tatsächlich stehen hinter indeon zwei Redaktionen und ein Netzwerk von Autorinnen und Autoren. Die Redaktion der Evangelischen Sonntags-Zeitung und die Multimediaredaktion produzieren indeon gemeinsam. Die einen sind Experten für den Text, die anderen produzieren Videos und Podcasts. Zudem suchen wir junge Journalisten, die neben dem Studium indeon unterstützen wollen. Und: indeon ist Teil des Facettnets – auf dieser digitalen Plattform entstehen EKHN.de sowie Websites von Gemeinden und Dekanaten, um Inhalte auszutauschen und zu vernetzen.

Wie wichtig sind Ihnen neben dem Online Portal weitere Social Media Kanäle für indeon.de

Andreas Fauth: Sehr wichtig, denn machen wir uns nichts vor: Junge Menschen beziehen ihre Informationen in erster Linie aus sozialen Netzwerken. Selbst eine junge Website wie indeon dürfte es schwer haben, ohne soziale Netzwerke Aufmerksamkeit zu bekommen. Deshalb gilt bei uns: Instagram ist das wichtigste Netzwerk, um junge Erwachsene zu erreichen, Facebook ist Informationsquelle für alle und Twitter dient dem gesellschaftlichen Diskurs und der Kommunikation mit Multiplikatoren.

Die Protagonisten sind der Theologe und Pfarrer Martin Vorländer (links) und der Redakteur Sebastian Jacobi.

Mit dem Start von „indeon“ versuchen Sie sich auch mit einem  Podcast „Pfarrer und Nerd“,  nach zwei Folgen schon jetzt bei Spotify gelistet. In der heutigen Zeit ein MUSS?

Andreas Fauth: Natürlich, ein Drittel der Mediennutzer in Deutschland hört wenigstens gelegentlich einen Podcast – gerade junge Menschen rufen Audio-Inhalte on demand ab. Podcasts sind dann erfolgreich, wenn sie eine Debatte herbeiführen und genau das wollen wir mit indeon. „Pfarrer &Nerd“ ist der erste von vorerst drei unterschiedlichen Podcasts, die bei indeon an den Start gehen – als nächstes folgt der „Pocket Spirit“ mit kurzen geistlichen Impulsen, die zum Mitmachen einladen.

Als Leiter der evangelischen Hörfunkschule Frankfurt sind Sie mit einer Gruppe junger Journalistinnen für 2 Tage zu Gast im Spenerhaus. Was ist das für eine Veranstaltung?

Andreas Fauth: Die Hörfunkschule hilft jungen Menschen beim Start in den Journalismus: das machen wir mit Workshops, mit Ausbildungsprojekten wie unserer Sommerakademie, mit Tagungen und Medienexkursionen und durch eine individuelle Förderung und berufliches Coaching. Heute sind wir mit einer Gruppe medien-starter im Spenerhaus – das sind 15 junge Journalistinnen und Journalisten, die heute hier TV- und Video-Journalismus lernen.

Was ist die Zielsetzung der Hörfunkschule. Ist evangelisch gelernter Journalismus so viel anders als gängige Aus- und  Weiterbildungsangebote?

Die medien-starter der Frankfurter Hörfunkschule im Forumsraum des Spenerhauses (Dominikanerkloster)

Ich weiß nicht, ob man von evangelisch gelerntem Journalismus sprechen kann – das journalistische Handwerkszeug wird überall gleichermaßen benötigt. Wenn Kirche aber als Institution Qualitätsjournalismus einfordert, muss sie auch Qualitätsjournalisten ausbilden: Deshalb setzen wir in der Evangelischen Publizistik auf werteorientierte Ausbildung, wir debattieren medienethische Fragen und werfen einen kritischen Blick auf die Handelnden in Kirche und Gesellschaft. Dabei bilden wir nicht in erster Linie für den eigenen Bedarf in kirchlichen Medienhäusern aus: die meisten Absolventen und Alumni der Hörfunkschule arbeiten heute bei großen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern, Verlagshäusern und Redaktionen – sie transportieren damitevangelische Werte in die säkulare Welt und in die journalistische Landschaft.

Was schätzen Sie am Spenerhaus, wann dürfen wir Sie wieder als Gast bei uns begrüßen?

Andreas Fauth: Ich schätze die freundliche und offene Atmosphäre des Spenerhauses und die unkomplizierte Art der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Hier weiß ich, dass eine Veranstaltung zum Erfolg führt, weil der Rahmen einfach passt. Und deshalb bin ich gerne schon bald wieder Gast im Spenerhaus.

Wir freuen uns sehr auf Ihren nächsten Besuch. Für heute ganz herzlichen Dank für das Gespräch und alles Gute für indeon.de

Tanja Eckelmann, Leiterin des Spenerhauses freut sich über den Besuch der Frankfurter Hörfunkschule mit Andreas Fauth und bedankt sich für den regen Austausch.

Das Spenerhaus, 15.10.2020